Wie wird man Pflegeberater nach § 7a SGB XI?

Autor: Annika HuberVeröffentlicht am 7. April 2026Zuletzt aktualisiert am 26. März 2026
Eine Krankenschwester in blauer OP-Kleidung hält ein Klemmbrett in der Hand und sitzt mit einem älteren Ehepaar auf einem Sofa, die sich in einem gemütlichen Wohnzimmer unterhalten.
Wer Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durch das Dickicht aus Anträgen, Leistungen und Versorgungsplänen lotst, übernimmt eine Schlüsselrolle im deutschen Pflegesystem. Genau das ist der Job eines Pflegeberaters nach § 7a SGB XI. Ein Beruf, der mehr Karrierepotenzial bietet, als viele Pflegefachkräfte vermuten. Was dahintersteckt und wie man dahin kommt, weiß Thomas Nöllen: Bei spectrumK hat er eines der größten Pflegeberaternetzwerke Deutschlands aufgebaut. Unsere Akademieleitung Annika Huber hat ihn mit den Fragen konfrontiert, die uns am häufigsten erreichen – von den Zulassungsvoraussetzungen bis zur Frage, ob der Beruf wirklich Zukunft hat. Im Interview mit Thomas Nöllen beantworten wir die wichtigsten Fragen – darunter: 

Welche Voraussetzungen braucht man, um Pflegeberater zu werden?

 Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist eine gesetzlich geregelte Leistung. Das spiegelt sich in den Zugangsvoraussetzungen wider. Die Grundlage ist eine abgeschlossene pflegerische Ausbildung: als Pflegefachkraft, Gesundheits- und Krankenpflegefachkraft, Altenpflegekraft oder Kinderkrankenpflegekraft. Dazu kommt einschlägige Berufserfahrung. Thomas Nöllen betont dabei, dass die anschließende Weiterbildung weit mehr umfasst als reines Sozialrecht: „Es geht auch um Case Management und Gesprächsführung – also darum, Menschen strukturiert und gleichzeitig empathisch zu beraten." Die Weiterbildung nach § 7a SGB XI selbst umfasst rund 400 Stunden und ist damit der dritte Baustein neben Ausbildung und Berufserfahrung.
Wichtig für Dich zu wissen:  
 Der GKV-Spitzenverband empfiehlt die Weiterbildung ausschließlich für Personen mit fachlichem Hintergrund: 
  • Ausgebildete Pflegefachkräfte 
  • Sozialversicherungsfachangestellte 
  • Sozialarbeiter 
  • Sozialpädagogen oder Heilpädagogen 
  • Personen mit einem pflegerischen, sozialrechtlichen, sozialpädagogischen oder heilpädagogischen Abschluss 
  • Personen mit mehrjähriger Erfahrung in der Beratung zu gesundheitlichen, sozialrechtlichen oder pflegefachlichen Themen bei einem Sozialversicherungsträger 
Titelbild der Weiterbildung „Pflegeberater nach §7a SGB XI“: Älteres Paar im Gespräch mit Fachkraft während sich die Frau um ihren Partner mit Beschwerden kümmert.
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Die Weiterbildung umfasst rund 400 Stunden in vier Kernbereichen:  
  • Sozialrecht (SGB XI und angrenzende Rechtsgebiete)
  • Case Management
  • pflegefachliches Wissen sowie
  • Beratungs- und Gesprächskompetenz.
 Alles, was es braucht, um Pflegebedürftige und Angehörige fachlich korrekt und rechtssicher zu beraten. 

Kann man Pflegeberater werden, wenn man bisher „nur“ privat gepflegt hat?

 Eine Frage, die uns besonders häufig erreicht und die Herr Nöllen klar beantwortet: Private Pflegeerfahrung, so wertvoll sie ist, ersetzt keine formale Ausbildung. Pflegeberatung nach § 7a SGB XI ist eine gesetzlich geregelte Leistung gegenüber den Pflegekassen und die setzt nachweislich qualifiziertes Personal voraus.  

Können Pflegehelfer Pflegeberater nach § 7a SGB XI werden?

 Auch hier ist die Antwort eindeutig: Pflegehelfer erfüllen die Voraussetzungen nicht. Zwar können sie die Weiterbildung theoretisch absolvieren, als Pflegeberater nach § 7a SGB XI tätig werden oder mit Pflegekassen abrechnen können sie jedoch nicht. Die notwendige Grundlage bleibt die examinierte Pflegeausbildung. Für Pflegefachkräfte hingegen eröffnet genau das eine interessante Option und immer mehr von ihnen erwägen den Schritt. 

Warum ist der Pflegeberater ein attraktiver Karriereweg für Pflegefachkräfte?

 Viele Pflegefachkräfte glauben, ihr Examen führe zwangsläufig zur Arbeit am Bett. Für viele Pflegekräfte werden die Arbeitsbedingungen in der direkten Patientenversorgung aber zunehmend belastend, weshalb sie sich nach Weiterentwicklungsmöglichkeiten weg vm Bett umsehen. Herr Nöllen erklärt dazu: „Pflegeberatung bietet Pflegefachkräften eine fachliche Weiterentwicklung mit geringerer körperlicher Belastung." Das gesamte pflegerische Know-how bleibt dabei erhalten – es verlagert sich in einen beratenden Kontext. Konkret bedeutet das: 
  • Pflegeberatung nach § 7a SGB XI
  • Beratungseinsätze nach § 37 Abs. 3 SGB XI
  • Pflegekurse nach § 45 SGB XI
 Fachkompetenz geht dem System also nicht verloren. Sie bleibt erhalten und unterstützt Pflegebedürftige mit wichtiger Expertise.
Eine Pflegeberaterin bespricht Informationen auf einem Tablet mit einem älteren Ehepaar, das in einem hellen Raum auf einem Sofa sitzt.

Wie arbeitet ein Pflegeberater und wie läuft eine Pflegeberatung ab?

 Herr Nöllen beschreibt den Beruf so: „Pflegeberater arbeiten fallbezogen, strukturiert und ganzheitlich – von der Erstaufnahme bis zur Umsetzung der Maßnahmen." In der Praxis sieht das so aus: 
  • Auftrag durch die Pflegekasse oder Kontaktaufnahme durch Versicherte
  • Auswahl eines regional passenden Pflegeberaters
  • Erstkontakt innerhalb von 48 Stunden
  • Hausbesuch und umfassende Beratung (Sozialrecht, Hilfsmittel, Wohnumfeld, Leistungen)
  • Erstellung eines individuellen Versorgungsplans
  • Weiterleitung an die Pflegekasse
  • Optional: Case Management bei komplexen Situationen
 Pflegeberatungen sind dabei nicht auf eine einmalige Leistung begrenzt. Sie können ohne gesetzliche Begrenzung erneut in Anspruch genommen werden, sobald sich die Pflegesituation verändert.
Titelbild der Weiterbildung Case Management in Pflegeeinrichtungen: Gruppe von Ärzten und Pflegekräften steht lächelnd in heller Klinikumgebung.
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Wie hat sich der Beruf des Pflegeberaters entwickelt?

 Vor rund 18–19 Jahren stand Pflegeberatung noch unter Erklärungsbedarf. Die Abgrenzung zur allgemeinen Sozialberatung war die zentrale Herausforderung. Heute, so Nöllen, hat sich das grundlegend gewandelt: „Der Beruf hat sich von einer erklärungsbedürftigen Nischenleistung zu einem festen Bestandteil der Pflegeversorgung entwickelt." Das zeigt sich auch in den Themen, die Pflegeberater heute abdecken: 
  • Prävention und Gewaltprävention
  • Hitzeschutz und Gesundheitsförderung
  • Digitale Pflegeanwendungen
  • Technische Hilfsmittel und Assistenzsysteme
 Die Anforderungen steigen kontinuierlich – fachlich, methodisch und digital. 

Welche Weiterbildungs- und Unterstützungsangebote gibt es für Pflegeberater?

 Pflegeberatung ist kein Beruf, den man einmal lernt und dann allein ausübt. Nöllen betont: „Pflegeberater werden kontinuierlich fachlich und emotional unterstützt."  Bei spectrumK umfasst das unter anderem: 
  • Regelmäßige Fachfortbildungen und Schulungen
  • Newsletter zu Gesetzesänderungen
  • Arbeitskreise und regionale Vernetzung
  • Themenschulungen (z. B. Beratungsstellen § 37 Abs. 3, persönliches Budget, Eingliederungshilfe, Wundmanagement)
 Darüber hinaus gibt es mit „Take Care" ein internes, vertrauliches Beratungsangebot für Pflegeberater in belastenden Situationen. Psychosoziale Unterstützung, die den Beruf langfristig tragbar macht.
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Gibt es Pflegeberatung auch ohne Pflegegrad?

 Wird ein Pflegegrad abgelehnt, bedeutet das nicht, dass kein Unterstützungsbedarf besteht und keine Beratung möglich ist. Herr Nöllen stellt klar: „Auch Menschen ohne Pflegegrad können Beratung erhalten, wenn ein Pflegebedarf besteht."  Pflegeberater erklären das MD-Gutachten, beraten zu alternativen Hilfen und unterstützen auf Wunsch auch im häuslichen Umfeld. Ziel ist, niemanden mit erkennbarem Pflegebedarf allein zu lassen. 

Welche Spezialisierungen gibt es für Pflegeberater?

 Pflegebedarf ist nicht gleich Pflegebedarf. Herr Nöllen beschreibt eine zunehmende Ausdifferenzierung: „Pflegeberater können sich auf bestimmte Zielgruppen spezialisieren." Dort, wo Standardlösungen nicht ausreichen, entstehen eigene Beratungsfelder mit spezifischen Versorgungsplänen und Instrumenten: 
  • Pflegeberatung für Kinder und Familien
  • Pflegeberatung Intensivpflege
  • Spezialisierung im Wundmanagement
 

Können Kinderkrankenpflegekräfte Pflegeberater werden?

 Pflegebedürftigkeit macht vor keinem Alter halt. Entsprechend klar fällt Herr Nöllens Antwort aus: „Ja. Auch Kinderkrankenpflegekräfte erfüllen die Voraussetzungen." Gerade sie bringen eine Perspektive mit, die kaum eine andere Berufsgruppe ersetzen kann: das Verständnis für die spezifische Situation von Familien mit pflegebedürftigen Kindern. 

Ist Pflegeberater ein Beruf mit Zukunft?

 Herr Nöllens Antwort lässt keinen Zweifel: „Ja – eindeutig." Angesichts des demografischen Wandels wird Pflegeberatung weiter an Bedeutung gewinnen. Technik und Digitalisierung können dabei unterstützen. Den Menschen ersetzen sie nicht. Pflegeberater bleiben unverzichtbar, weil sie zuhören, einordnen, begleiten und Orientierung geben. Genau dort, wo Menschen besonders verletzlich sind. 

Fazit zum Pflegeberater nach §7a SGB XI

 Wer den Schritt in die Pflegeberatung geht, verlässt keine Komfortzone – er erweitert sie. Das pflegerische Fundament bleibt, der Rahmen verändert sich: mehr Beratung, mehr Struktur, mehr Gestaltungsspielraum.  Ein Karriereweg bei dem Du Dein ganzes Pflege Know-how nutzt und der Dich gleichzeitig entlastet.  Das vollständige Interview findest Du hier: Interview über den Beruf des Pflegeberaters mit Thomas Nöllen
Pflegeexperte Thomas Nöllen
Thomas Nöllen ist bei der spectrumK GmbH, einem der größten Dienstleister für Kranken- und Pflegekassen tätig. Bei spectrumK hat er gemeinsam mit seinem Team ein deutschlandweites Netzwerk von rund 700 Pflegeberatern aufgebaut. Somit wird für die Versicherten der Pflegekassen eine flächendeckende und qualifizierte Pflegeberatung sichergestellt.  LinkedIn  
Leitung der Akademie für Gesundheitsberufe Annika Huber
Zum Autor: Annika Huber leitet die Fernakademie für Gesundheitsberufe. Als examinierte Fachpflegekraft weiß sie aus eigener Erfahrung, welche Fragen Pflegefachkräfte bewegen und welche Antworten sie brauchen. Für diesen Beitrag hat sie Thomas Nöllen mit genau den Fragen konfrontiert, die uns am häufigsten erreichen.  Annika verfügt unter anderem über ein PGDip in Nursing der Florence Nightingale School of Nursing, King's College, London, einen M.A. in Arts Management and Policy von Birkbeck, University of London sowie einen Bachelorabschluss in Pädagogik im Gesundheitswesen der Akkon Hochschule, Berlin. LinkedIn 
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